Samstag, 25. November 2017

Meine Mutter

Grabrede

Liebe Trauergäste,
wir haben uns hier versammelt, um meine Mutter ein letztes Mal zu verabschieden.
Zu verabschieden von den Lebenden. Denn nun hat sie ihr Lebenswerk vollbracht. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch eine Aufgabe erfüllt und damit das Uhrwerk der Welt ein kleines bisschen weiter ticken lässt.
Eines ist sicher. Der Tod gehört zum Leben mit dazu. Er ist ein Teil unseres Lebens. Wir brauchen nicht zu trauern.
Damit diese Welt nicht unter geht, muss diese Welt mit Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe geschmiert werden.
Man kann sein Lebenswerk als Egoist oder als den Nächsten liebenden Menschen vollbringen. Nächstenliebe war ihr weniger aus christlicher, sondern mehr aus innerer Überzeugung heraus wichtig. Dieses Zitat von Kant war ihre Richtschnur:
Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft - Kapitel 34
Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.
Meine Mutti hat immer erst an Ihre Nächsten gedacht. Natürlich an ihren Mann, unseren Vater. Unseren Vaters Lebensinhalt war seine Frau. Unseren Mutters Lebensinhalt war ihr Mann. Es war beidseitig. Unsere Eltern haben eine Ehe geführt, die Vorbild für mich war. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie sich jemals gestritten hätten. Ich kann mich nur daran erinnern, dass jeder unentwegt immer nur darüber nachgedacht hat, was er Gutes für seinen Partner tun kann.
Ihr beherrschendes Streben war das Verantwortungsbewusstsein und Fürsorge für Ihre Nächsten.
Typisch für sie war ihre Korrektheit. Im Beruf und im Privaten musste immer alles sehr genau und vollständig abgeheftet werden. Es war ihr ein Grauen, wenn sie nicht den vollständigen Überblick über ihre schriftlichen Unterlagen hatte. Das ließ sie nicht los, als sie auch schon kaum mehr etwas erkennen konnte.
 
Ich erinnere mich noch gut, dass sie auch ein Vorbild war, indem sie alle Fragen die wir hatten, sofort beantworten konnte oder anderenfalls in Büchern nachgelesen hatte. Sie hat viel in Büchern nachgelesen. Ihr Interesse galt der ostpreußischen Geschichte und den Baustilen. Sie hatte drei Mal Ihre Heimat Ostpreußen besucht, teils ohne Reiseführung und dort, trotz des grausamen Krieges, viele den Deutschen freundlich gesonnene und hilfsbereite Menschen vorgefunden.

Auch erinnere ich mich noch gut, dass sie mir stundenlang bei den verhassten Aufsätzen geholfen hat, den besten Stil, die treffendsten Worte zu finden. Es hat mir später nicht nur sehr geholfen, Schreiben hat mir Spaß gemacht. In späteren Jahren darauf angesprochen, konnte sie sich nicht mehr daran erinnern. Es war selbstverständlich für sie gewesen. 
 
Sie hat ihre Lebensaufgabe, ihr Lebenswerk übererfüllt. Jetzt darf sie nach 97 Jahren für immer von uns gehen.

Samstag, 12. Dezember 2015

Was interessiert uns fremdes Elend

aus Facebook
In dem Forum: http://aufzurwahrheit.com/thread/3563-fremdes-elend/ lauteten Forumssbeiträge "Fremdes Elend ist das was es ist. Fremd." oder "... was interessiert mich das Leid anderer Menschen, solange ich davon nicht betroffen bin?"

"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" "und wenn er Flüchtling ist oder schwul", "Hast du was an den Ohren." Jesus hat darauf also eine ganz eindeutige Antwort.

Ich selbst bin aus der Kirche ausgetreten, weil ich nicht an Gott glaube. Aber wenn ich diese Aussprüche höre, denke ich diejenigen, die sich christlich nennen, sollten besser wegen Heuchelei aus der Kirche austreten. Wiegesagt, ich glaube nicht an Gott, aber mir wird trotzdem ganz übel, wenn ich diese Sprüche höre.
Immanuel Kant hat einmal geschrieben: "Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir."
Jesus hat eigentlich nur das moralische Gesetz gelehrt, dass jedem Menschen innewohnen sollte. In einer Zeit in der Flüchtlingsheime angezündet, oder Wutbürger auf die Straße gehen, damit Flüchtlinge in den Krieg zurück geschickt werden, frage ich mich, was vom "moralischen Gesetz in mir" übrig geblieben ist.

Diejenigen, die so steinharte Herzen haben und es fertig bringen, Menschen in Tod und Elend zurück zu schicken, haben die überhaupt ein Herz, gehören sie in die soziale menschliche Gemeinschaft? Solange Nächstenliebe nur für sich selbst oder für die nächsten Familienmitglieder da ist, ist das keine Nächstenliebe, sondern Egoismus in seiner reinsten Form. Solche Egoisten haben unsere menschliche Gemeinschaft nicht verdient.

Die Egoisten gehen davon aus, dass Hilfbedürftigkeit selbst verschuldet ist. Oder sie unterstellen den Hilfsbedürftigen kriminelles Verhalten. Oder es wäre aussichtslos zu helfen, weil die Hilfe nicht ankommt. Ausreden für den Egoismus gibt es viele. Brutal sind sie alle.

Nun will ich Nächstenliebe nicht bis zur Selbstaufgabe fordern. Es stimmt, Nächstenliebe kann nicht unendlich sein. Nächstenliebe darf nicht dazu führen, dass man selbst hilfebedürftig wird. Man muss also irgendwo eine Abwägung machen, bis wohin die Nächstenliebe gehen kann. Nächstenliebe heißt nicht, Geld zu geben für Menschen weit weg. Geldspenden dürfen doch kein Ablasshandel sein! Nein, Nächstenliebe heißt auch, mit seinen Mitmenschen gesellig umzugehen. Kontakte zu pflegen. Guten Tag zu sagen. Rücksichtsvoll Auto fahren. Allein mit dem Einhalten der guten Benimmregeln ist auch schon viel getan. Um Nächstenliebe zu praktizieren, brauchen wir keine "Mutter Theresa", kein Held zu sein. Wie wir miteinander umgehen, auch mit dem Außenseiter, auch mit dem Fremden, zeigt welch Geistes Kind wir sind. Geldmünzen in den Klingelbeutel zu werfen, aber gleichzeitig auf die Straße gehen und zu rufen: "Ausländer raus", dass passt wahrlich nicht zusammen. Für den Mitmenschen, auch den fernen Mitmenschen, da zu sein und warmen Herzens zu begegnen ist etwas, was unsere Welt deutlich lebenswerter, wärmer macht.

Es gibt keinen zwingenden Grund, hilfsbereit zu sein. Wenn sie Glück haben, kommen Egoisten möglicherweise auch gut durch Leben solange sie nicht selber krank und hilfsberürftig werden. Das ist es, was Egoisten übersehen. Sie glauben, sie sind die ewig leistungsfähigen. Ihnen könne nichts passieren. Wenn aber doch, sind sie auf die Hilfe angewiesen, die sie anderen Mitmenschen vehement verweigern.
Nächstenliebe wie eine Versicherung anzusehen, um Anspruch auf Unterstützung für die eigene Person zu haben, ist zwar nachvollziehbar, ist aber auch nicht im Sinne der moralischer Gesetze in mir, noch nach christlicher Ethik. Solche berechnende Nächstenliebe wird von mir verachtet. Das kann es nicht sein.

Ich habe die Hoffnung, dass der moralisch gesunde Mensch soviel moralisch Gesetze in sich verspürt, dass ihm nicht gesagt werden muss, was gut und böse ist.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Lebenselixir Zuversicht

Viele Menschen werden durch die Eltern und später durch verschiedenste Einflüsse in ihrem Selbstwertgefühl beeinträchtigt. Besonders Frauen werden in unserer ach so aufgeklärten Welt auf traditionelle Frauenrollen geprägt. Die erfolgreiche Frau hat den Geruch der Emanze, wird schief angesehen. Aber auch bei Männern wird durch verschiedenste Einflüsse das Selbstwertgefühl gebrochen, häufig durch Arbeitslosigkeit.
Ein übersteigertes Selbstwertgefühl macht einsam. Langfristig werden diese Menschen gemieden. Aber das soll hier nicht mein Thema sein.
Mangelndes Selbstwertgefühl macht mutlos, ängstlich, zerstört die Zuversicht in die eigene Leistungsfähigkeit. Die Personen trauen sich nichts mehr zu, auch Aufgaben die sie leicht lösen könnten.
Hilfe von außen ist in der Regel nicht zu erwarten. Auch deshalb, weil die Betroffenen sich des Problems nicht voll bewusst sind und deshalb keine Hilfe in Anspruch nehmen. Mir haben Betroffene ihre Probleme haarklein beschrieben und eigentlich auch erkannt, aber waren wie gelähmt, wenn es darum ging, die Ursachen zu bekämpfen. Ich kann auch nur laienhafte Ratschläge geben, letztlich bin ich kein Psychiater.
Von einer ganz anderen Seite wird unsere Zuversicht gestört. Das ist die allgemein weit verbreitete Angst- und Panikmache. Im Ausland macht man sich schon lustig über die Deutschen. Man spricht von "German Angst". Zu den latent ohnehin vorhandenen Zukunftsängsten kommt die Angstmache durch die Presse oder allgemein gesagt durch alle Medien. Es ist wie eine nicht endende Gehirnwäsche. Jeden Tag hören wir, welchen Bedrohungen und Gefahren wir ausgesetzt sind. Ich kann nur einige Wenige aufzählen.:
  • Der allgemeine Klimawandel, die Erderwärmung
  • Elektrosmog
  • Welche Lebensmittel ungesund sind
  • Welche Stoffe krebserregend sind
  • Die Bedrohung durch Fremde, speziell durch Flüchtlinge
  • Welche Gefahren uns durch moderne Technik droht (Handystrahlung)
Das sind nur einige wenige Themen. Ich glaube es ließe sich noch vieles finden. Diejenigen Themen, die man ernsthaft und vorurteilsfrei nachforscht ergeben, dass es haarsträubender Unfug ist. Ein wenig gesunder Menschenverstand reicht, um den Unfug zu durchschauen. Aber unser Verstand wird ausgeschaltet durch eine Massenhysterie. Weil derselbe Unfug überall und immer zu hören ist. Durch die unendliche Wiederholung wird der Unfug zur gesicherten Erkenntnis. Jemand der zu sagen wagt, der König hat ja gar keine Hosen an, wird für verrückt erklärt. Ganz nebenbei, durch die Mechanik der unendlichen Wiederholung hat es Hitler geschafft, den Judenhass weiter anzufachen. Rund um uns herum sind wir von Gefahren umgeben. Man braucht schon sehr viel Skepsis, um sich nicht verrückt machen zu lassen.
Es gibt keinen Diktator, der dahinter steht. Das macht den Unfug etwas glaubwürdiger. Es gibt zwei Verursacher: Zeitgeist und Profitgier. Pressemeldungen, die besagen, es ist alles nicht so gefährlich, wie angenommen, verkaufen sich nicht. Die Zeitung, die auf dem Boden der Tatsachen bleiben würde, wäre schon gestern pleite. Genauso bei TV, Radio, Internet. Es gibt einen knallharten Kampf um Verkaufszahlen und Einschaltquoten. Da ist jedes Mittel recht. Bedrohliches verkauft sich deutlich am Besten. Der Zeitgeist, die German Angst, macht es den Medien noch einfacher.
Persönliche Faktoren wie ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl und externe Faktoren wie die Angstmache durch die Medien wirken additiv zusammen, um unsere Zuversicht zu beeinträchtigen. Dabei haben wir allen Grund, zuversichtlich zu sein.:
  • Deutschland ist eines der führenden Industrieländer
  • Wir haben ein funktionierendes Sozialsystem. Niemand braucht zu hungern und zu frieren.
  • Wir haben eine funktionierende Renten- und Krankenversicherung. Selbst in den USA nicht vorhanden.
  • Wir haben mit Abstand die sauberste Umwelt
  • Deutschland hat nach Japan die zweithöchste Lebenserwartung auf der Welt.
  • Weltweit ist Deutschland das gelobte Land, wo zwar nicht Milch und Honig fließen, aber mit der besten wirtschaftlichen Entwicklungen.

Was nützt uns Zuversicht

Wer sich hoffnungsvolle Gedanken macht, dass er selbst in seinem Leben Einflussmöglichkeiten hat oder ihm geholfen werden kann,
  • hat Energie, zu handeln, Wir fühlen uns einfach besser, weil uns keine Ängste verzehren.
  • ist den überwiegenden Teil der Zeit ruhig oder positiv gestimmt,
  • steigert seine Abwehrkräfte, weil Zuversicht oder Hoffnung uns hilft, Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.
  • Wir bewältigen uns gestellte Aufgabe besser, weil wir nicht verzagen, sondern frohen Mutes heran gehen.

Was tun, wenn die Zuversicht fehlt.

  • Sprechen Sie sich selbst Mut zu.
  • Rufen Sie sich positive Erfahrungen aus der Vergangenheit in Erinnerung.
  • Suchen Sie in Ihrem Umfeld nach Menschen, denen bereits eine Lösung gelungen ist. Nehmen Sie sich diese als Vorbild
  • Meiden Sie Menschen und Medien, die alles schwarz sehen und dramatisieren.
  • Nehmen Sie Krankheiten für den Augenblick an. Je mehr Sie dagegen ankämpfen und hadern, krank zu sein, desto mehr sinken Ihre Abwehrkräfte.
  • Machen Sie sich hoffnungsvolle und zuversichtliche Gedanken der Art: Was auch immer auf mich zukommt, es wird eine Lösung geben. Ich tue alles, was in meinen Kräften steht.
  • Werden Sie aktiv. Erdulden Sie nicht passiv die Situation und befreien Sie sich aus der Opferrolle. Durch Ihr Aktivsein haben Sie den Eindruck, Kontrolle auszuüben und dies nährt Ihre Zuversicht, eine Lösung zu finden.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Soziale Medien für die Älteren

Bevor ich richtig loslege und über soziale Medien spreche, will ich erst mal erklären was das ist. Die Definition in Wikipedia lautet:
Social Media (auch soziale Medien)[1] bezeichnen digitale Medien und Technologien (vgl. Social Software), die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu erstellen. Medien sind Texte, Bilder, Videos.

Der wichtigste Aspekt ist es, sich auch in Gruppen, gegenseitig auszutauschen.
 
Es gibt viele Programme, die zu den sozialen Medien gehören, da Facebook das Programm mit der weitesten Verbreitung ist, will ich heute stellvertretend für alle von Facebook sprechen, obwohl es auch noch viele andere wie Twitter, Skype oder Youtube gibt.

Das Computer, Internet, Smartphone, Facebook nur etwas für jüngere sind, ist ein weit verbreitetes Voruteil. Wieso eigentlich? Das hat alles den Geruch es sei zu kompliziert für Ältere und ist es nicht auch irgendwie gefährlich? Sind nicht schon Leute über das Internet betrogen worden? Und haben die Geräte nicht auch eine gefährliche Strahlung? Es gibt sicherlich noch viele Gründe, die moderne Technik nicht zu nutzen. Oder sind es in Wirklichkeit nicht alles nur Ausreden? Ausreden weswegen? So ganz genau wissen wir es nicht. Aber ich habe eine Vermutung. Es ist die Angst, von der Technik überfordert zu werden. So ganz falsch ist das nicht. Viele fühlen sich tatsächlich überfordert. Die Jüngeren können sich gar nicht immer vorstellen, wobei und womit die Älteren Probleme haben. Dann kommt der Ratschlag, das ist das ganz einfach, Du musst nur dieses oder jenes machen. Und der Rat hilft auch nicht weiter. Es taucht sofort ein neues, scheinbar unüberwindliches Hindernis auf. Manchmal ist es nur ein vergessenes Passwort. Ich will mich aber nicht in die Reihe derjenigen einreihen, die den Älteren den Mut nehmen möchte, sich mit der neuen Technik zu beschäftigen. Ganz im Gegenteil.

In meiner Berufspraxis habe ich immer wieder erlebt, dass die Älteren die besseren Computernutzer sind. Wieso? Wenn erst mal die Angst überwunden und der Kampfgeist erwacht ist, mit der Technik fertig zu werden, dann verbeißen sie sich in die Aufgabe. Dann sind sie nicht mehr zu bremsen. Dann werden sie zu Profis, denen man nichts mehr vormachen kann. Sie glauben, lass den doch sabbeln, für mich ist das doch nichts. Was soll mir das schon nützen. Das ist die Grundeinstellung, die fast alle haben.
Sie sprechen wie der Papst über den Sex. Was sie nicht kennen, vermissen sie auch nicht.

Dabei nehmen die sozialen Kontakte mit zunehmenden Alter kontinuierlich ab. Das hat verschiedene Gründe:
  • Die Mobilität nimmt ab. Statt sich ins Auto zu setzen, müssen öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden. Freunde sind nicht mehr so schnell und komfortabel erreichbar.
  • Die ehemaligen Kollegen aus dem Betrieb sieht man nicht mehr täglich.
  •  Der Tagesablauf kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so flexibel gestaltet werden wie ehedem. 
  • Die Bequemlichkeit nimmt einfach zu. 
Sich den ganzen Tag vom TV-Gerät berieseln zu lassen ist die Endlösung. Vor den Fernseher abgeschoben, gut ist. Es soll Personen geben, denen das in ihrem Leben genug ist. Aber es gibt auch viele, die spüren, dass das für den Rest des Lebens nicht alles sein kann. Denen dann doch irgendetwas fehlt. Nämlich der Kontakt mit den Mitmenschen. Da findet sich dann schon eine Lösung: Kurz vor Geschäftsschluß noch schnell einkaufen gehen, am Donnerstag abend zur Bank oder andere Besorgungen, wo es überall voll ist, wo man mit möglichst langen Warteschlangen zu rechnen hat. Da ergibt sich dann zwangsläufig die Gelegenheit zu einem Schnack. Es sind ja nicht alle Kontakte abgeschnitten. Manchmal kommen auch Kinder und Enkelkinder zu Besuch. Das ist dann das Highlite des Monats. Vielleicht etwas übertrieben, aber im Prinzip ist es so.

Was kann man dagegen tun? Ich möchte alle aus einer jedem Menschen drohenden Lethargie heraus reißen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Eine möchte ich hier darstellen.

Die Nutzung sozialer Medien hat eine Einstiegshürde: Man muss Computer oder Smartphone beherrschen. Viele werden denken, dass schaff ich nie oder ist mir viel zu anstrengend, mich jetzt noch einmal damit zu beschäftigen. Aber glauben sie mir: Genau das ist der unter anderem der gewünschte Effekt. Die Anstrengung. Die geistige Herausforderung ist das was uns jung erhält.  Glauben sie mir, es gibt niemanden der zu dumm ist, damit nicht umzugehen. Niemand! Aber etwas Zähigkeit braucht man schon. Vor allem, darf man nicht aufgeben. Immer wieder und wieder neu probieren. Und Tante Google weiß immer eine Lösung. Man muss sie nur mit den geeigneten Suchworten füttern, dann spuckt sie uns schon dutzende Lösungen aus. Gut, irgendwann kommen Sie mit der Kiste zurecht. Verblüffen Sie ihre Enkelkinder mit ihren Computerkenntnissen. Sie werden mehr als überrascht sein. "Die Alte ist ja doch noch ganz schon fit" denken sie ins geheim. So, die erste Stufe hätten sie geschafft. Sie haben tausende von Kalorien in ihrem Kopf verbrannt und sie können wahnsinnig stolz sein, etwas geschafft zu haben, was ihre Enkelkinder noch nicht so richtig beherrschen.

Nun kommt der zweite Schritt: Melden sie sich bei Facebook an. Nebenbei ein wichtiger Tipp von mir: Benutzen sie ihren echten Namen auch als Benutzernamen und als Profilbild ein Foto auf dem sie auch gut zu erkennen sind. Manche sagen, dann bin ich ja für jedermann erkennbar. Genau das ist der Sinn. Ihre ehemaligen Kollegen, Schulfreunde oder Schulfreundinnen sollen sie ja finden. Ist das nicht gefährlich, wenn mich alle sehen? Nein, bestimmt nicht. Aber es gibt etwas was wirklich gefährlich ist: Veröffentlichen sie nie Informationen oder Bilder, die irgendwie peinlich sein könnten. Auch nie veröffentlichen von wann bis wann man im Urlaub ist. Das könnte zum Einbruch in ihre Wohnung verleiten. Aber sonst brauchen sie keine Angst haben. Zu Anfang ist die Benutzeroberfläche von Facebook ganz schön unübersichtlich. Das war sie auch für mich. Erobern sie Facebook wie ein Computerspiel: Mal hier klicken, mal dort klicken und schauen was passiert. Sie können nichts kaputt machen. Stöbern sie einfach mal. Sie werden viele lustige, fröhliche, besinnliche Beiträge finden. Aber auch manches in einer ultrarechten Gesinnung oder in einer katastrophalen Rechtschreibung geschrieben. Ich rate dringend davon ab, Informationen aus Facebook oder Youtube für bare Münze zu nehmen. Zu viele verbreiten Haare sträubendes. Es gibt andererseits auch viele richtig gute Beiträge. Es ist eine Kunst, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Nun, wenn sie sich mit Facebook etwas vertraut gemacht haben, geht es los. Kramen sie ihr uraltes Adressbuch hervor. Facebook hat so ein Personensuchfeld. Da geben sie mal die Namen ihrer Freunde/innen ein, zu denen der Kontakt schon lange abgerissen ist. Sie werden sich wundern, wieviele sie auf diese Weise wieder finden. Da zeigt es sich auch, das es sinnvoll is, wenn auch ihre ehemaligen Freunde ein gutes Passbild im Profil verwendet haben. Laden Sie diese ein, Facebook-Freunde zu werden. Schreiben Sie ein paar nette Zeilen. Eigentlich antwortet jeder. Ruckzuck können sie ihre alten Bekanntschaften wieder Auffrischen. Ein reger Schriftverkehr ist die Folge. Nicht alle Bekannte wohnen jott we deh. Da ergibt sich die Gelegenheit sich auf einen Kaffee mal wieder zu einem Plausch zu treffen. Das Internet ist mit den sozialen Medien nichts, um sich hinter dem Ofen zu verkriechen, sondern ein hervorragendes Medium, um sich in der realen Welt zu treffen.
Ihre Enkelkinder habe sie bisher nur sporadisch besucht. Benutzen Sie Skype oder ähnliches, um sich live, Angesicht zu Angesicht zu sehen. Ich habe meine 3-jährige Enkeltochter täglich über Skype gesehen. Toll. wenn die Enkelkinder 1,5 Fahrstunden entfernt wohnen.
Es gibt aber nicht nur Sinn, mit denen zu chatten ( das englische Wort für quatschen) die man mal persönlich gekannt hat, sondern mit denen mit welchen man persönliche Vorlieben teilt, Verbinden sie sich mit denen, die das gleiche Hobby, die gleichen Interessen teilen. Sie können auf diesem Weg natürlich auch ihren Freundeskreis vergrößern und sich mit Facebook-Freunden treffen und echte Freundschaften daraus werden lassen.

Manche entgegnen, man könne ja auch Briefe schreiben. Das wäre persönlicher, wegen der eigenen Handschrift und überhaupt es ist ein anderes Gefühl. Das stimmt wahrlich. Briefpost hat aber Nachteile: man braucht die Postadresse. Die Zustellung kann mehrere Tage dauern und es ist nicht umsonst. Deshalb mein Rat: Schreiben Sie im Internet oder bei einer E-Mail genauso sorgfältig wie in einem handgeschriebenen Brief. Prüfen Sie den Stil. Vermeiden sie sorgfältig jeden Rechtschreibfehler. Wenn sie sich nicht ganz so sicher sind, lassen sie sich von einem Rechtschreibprüfprogramm helfen. Sagen sie nie, ist ja nur im Internet. Eine sorgfältig geschriebene elektronische Nachricht hat den selben Persönlichkeitswert wie ein handgeschriebener Brief.

Ein ganz wichtiger Effekt ist, dass sich eine neue Welt eröffnet, dann im Ernst, Facebook und andere soziale Medien, sind nur ein klitze kleiner Teil der Möglichkeiten, die sich mit dem Internet eröffnet.
Frauen erkennen z.B. die Möglichkeit günstig Kleidung einzukaufen. Männer halten den Kontakt mit ihrem Verein aufrecht. 
 
Es eröffnet sich eine neue Sicht auf die Welt, in eine neue Welt auf die man vorher keinen Zugriff hatte. Ohne Übertreibung: es eröffnet sich eine Welt von der man vorher nicht die geringste Ahnung hatte, dass es sie überhaupt gibt.Eines kann ich ihnen garantieren: Langeweile, Stumpfsinn war gestern. Fernsehen brauchen sie jetzt nicht mehr.

Wer mit dem Computer nicht zurecht kommt kann, wenn er wirklich nicht weiter kommt, natürlich auch meine Hilfe in Anspruch nehmen.  Aber ich bin sicher, sie schaffen das allein.

Samstag, 5. Dezember 2015

Weihnachten als Marketinginstrument

Wie sie sich vielleicht denken können, möchte ich hier keinen Vortrag darüber halten, wie man mit dem Weihnachtsfest möglichst viel Umsatz machen kann. Das Weihnachten zur Umsatzsteigerung benutzt wird, ist unzweifelhaft. Das passiert subtil und mit allen Tricks und Kniffen. Nur um mal eine Vorstellung von der Größenordnung zu geben: "Insgesamt könne der Einzelhandel auf Umsätze von rund 17 Milliarden Euro hoffen. ", "Das Gesamtbudget (pro Haushalt) beträgt im Schnitt 423 Euro."
Quelle: http://www.wuv.de/marketing/studie_was_die_deutschen_fuer_weihnachten_ausgeben
Das möchte ich hier nicht weiter vertiefen, sondern es geht mehr darum, die Realität des ursprünglich christlichen Weihnachtsfests zu beleuchten. Das Wort "ursprünglich" enthält schon Sprengstoff.

Hat das Weihanchtsfest überhaupt noch irgendetwas christliches an sich? Darüber möchte ich heute sprechen.

Zunächts einmal haben alle Religionen ihre Feste mit den jeweils bereits vorhandenen religiösen Riten vermischt, um die jeweils neue Religion besser etablieren zu können. Die Menschen aus der jeweils anderen vorherigen Religion wurden entweder als Heiden oder Ungläubige bezeichnet. In meinen Augen eine unerhörte Arroganz, weil nicht nur alle Menschen von Geburt an gleich sind, sondern auch alle Religionen. Keine Religionsgemeinschaft hat das Recht, sich über eine andere Religionsgemeinschaft zu erheben!

Das Weihnachtsfest hat also christliche und in Anführungszeichen "heidnische" Elemente. Es ist ein mehr oder weniger wildes Verwürfeln der biblischen Geburtsgeschichte und dem Weihnachtsmann, dem Tannenbaum und den Engelchen. Was nun an dem Brauchtum irgendwie christlich ist, kann ich nicht restlos aufklären. Eigentlich auch nicht wichtig, wie sich das Brauchtum entwickelt hat. Es beschert uns eine nette Wohlfühlatmosphäre. Und das ist das eigentlich wichtige an Weihnachten. Wir haben 2 1/2 zusätzliche Feiertage und zusammen mit Sylvester die Möglichkeit, durch sogenannten Brückentage einen herrlichen Winterurlaub zu nehmen.
Die Wohlfühlatmosphäre wird nur durch den Einkaufsstress und die Verpflichtung für jedes Familienmitglied ein angemessenes Geschenk zu finden, beeinträchtigt. Dann kommt auch noch die Gefahr hinzu, dass das Geschenk nicht wertvoll genug ist. Die Geschenke müssen dem Gleichgewicht des Schreckens standhalten. Die Aufrüstungsgeschenkespirale findet kein Ende. Wenn denn die Schenkerei irgendeinen Sinn haben soll, dann müssen die Augen der beschenkten Kinder vor Freude strahlen, wenn das sehnlichst gewünschte iPhone auf dem Gabentisch liegt. Alle anderen Mitschüler in der fünften haben schließlich auch schon alle eines. Wer nicht mindestens ein iPhone oder ähnliches zu Weihnachten auftaucht, sollte sich entschuldigen und besser zu Hause bleiben. Bei den Geschenken an Erwachsene kann man froh sein, wenn ein gespieltes Dankeschön zurück kommt. Für die Kinder ist Weihnachten der Zeitpunkt, an dem man Geschenke bekommt. Für die Mütter ist Weihnachten die stressigste Jahreszeit. Auf ihren Schultern bleibt die ganze Arbeit hängen.

Was ist Weihnachten aus christlicher Sicht? Es ist die Geburt Jesu Christi, der uns den christlichen Glauben gebracht hat. Die zentrale Forderung des christlichen Glaubens ist die Nächstenliebe. Meines Erachtens nach aller Religionen. Diese Forderung zur Nächstenliebe gilt gegenüber allen Menschen, gegenüber allen Nächsten, nicht nur dem Wohlstandsbürger in der eigenen Familie, sondern wirklich allen, auch den gesellschaftlichen Außenseitern, auch den Flüchtlingen aus aller Welt. Was hätte Jesus wohl zu den Syrern gesagt, die aus einem lebensgefährlichen Kriegsgebiet zu uns fliehen? Bestimmt nicht, geh zurück und lass dich erschießen, du hast unter uns Christen nichts zu suchen. Bestimmt nicht. Die Geburt Jesu hat uns die Erkenntnis gebracht, dass das wahre Glück auf Erden nicht die Besitzstandswahrung ist. Bloß nicht irgend etwas abgeben. Bloß nicht auf den Mitmenschen zugehen. Bloß nicht ihn kennen lernen. Bloß nicht die Distanz verlieren. Nein, Jeses hat gesagt, kommt alle zu mir an meinen Tisch. Er hat alle eingeladen und hat keine Ausnahmen bei Huren, Steuereintreibern oder Flüchtlingen gemacht.
Was also hat ein Marketinginstrument Weihnachten mit dem christlichen Glauben zu tun, mit unserem christlichen Wertekanon, auf den wir so stolz sind. Ich kann da keine Schnittmengen finden. Ich habe das Gefühl, Jesus müsste erneut zu den Menschen kommen, um ihnen zu sagen, was Glaube bedeutet.

Man könnte meinen, ich wäre komplett gegen das Brauchtum, weil es nichts mit dem Christentum zu tun hat.
So ist das nun auch wieder nicht. Brauchtum ist nichts schlechtes. Es hat sich nur zu weit von dem eigentlichen christlichen Glauben entfernt.

Heute erleben wir, das Menschen, die dem Kriegstod entronnen sind, zitternd und frierend an unsere Türen klopfen. Auch Maria und Josef brauchten als Fremde eine Unterkunft für die Nacht. Sie haben Glück gehabt. Sie haben eine Nacht in einem Stall verbringen können. Was würden wir heute mit Maria und Josef machen. Wenn es nach den angeblichen Christen in unserer Gesellschaft geht, würden wir eine Obergrenze festlegen und die Schranken runter lassen, wenn einer mehr kommt. Familiennachzug, sprich Frau und Kinder wollen sie überhaupt nicht mehr in den warmen Stall hinein lassen. Dabei gibt es noch so viele warme Ställe. Durch die jahrzehntelange Landflucht gibt es in den Mittelstädten, Städten und Dörfern unendlich viel Leerstand. Mit ein wenig guten Willen, ließe sich der wieder her richten. Ich kann den Quatsch von dem angeblichen Wohnraummangel für Flüchtlinge nicht mehr hören. Nein, es gibt ein ganz anderes Problem: Es ist die Unsicherheit und Angst vor dem Fremden. Es wird dem Fremden kriminelles Verhalten unterstellt. Fragt man denjenigen, ob er schon einmal Kontakt mit dem Fremden, dem Moslem, dem dunkelhäutigen gehabt hat, wird die Frage regelmäßig verneint. In den Großstädten stammt ungefähr ein Drittel der Bevölkerung aus anderen Kontinenten. In ungefähr ein Drittel der Ehen haben die Ehepartner unterschiedliche Nationalitäten. Auch in meiner eigenen Familie nichts ungewöhnliches. Dort, wo die nationale und ethnische Vermischung der Normalfall geworden ist, lösen sich die Ängste vor dem Fremden in Luft auf, weil der Fremde nicht mehr fremd ist. Ich habe es selbst erlebt: ein Freund, er hasst Türken, Moslems, Amerikaner und Juden. Naja Hass ist zuviel gesagt, aber sie sind ihm zutierfst suspekt. Dann zog ein Türke im Nachbarhaus ein. Er hat sein Grundstück wie jeder andere bewirtschaftet. Es ergeben sich zwangsläufig auch Gespräche über den Gartenzaun. Naja er hat seine Abneigung gegen Türken noch nicht vollständig abgelegt, aber sein Nachbar ist voll in Ordnung. Genauso mit einem Afghanen. Seine Tochter war in der Schule mit einem afghanischen Mädchen befreundet. Der Vater hat seine Tochter vom gemeinsamen Spielen bei ihm zu Haus nach hause begleitet. Die Väter kamen ins Gespräch. Sie haben Tee zusammen getrunken. Ob auch Bier getrunken wurde, weiß ich nicht. Obwohl er Moslems eigentlich nicht mochte, aber dieser Mann ist voll in Ordnung. Wenn man die Chancen des Alltages nutzt, um mit seinem Nächsten ins Gespräch zu kommen, können aus Fremden Freunde werden.

Wenn wir die Chance nutzen, mit dem Fremden ins Gespräch zu kommen und aus Fremden Freunde werden, dann ist Weihnachten. Dann ist aus einer Marketingveranstaltung ein christliches Fest geworden.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Mittwoch, 4. November 2015

Von der Lust am Lernen

Worum es geh

 

Ich möchte hier über etwas sprechen, was man auch mit "Mit Selbstvertrauen zum Erfolg" betiteln könnte. Solche Vorträge gibt es schon zu tausenden. Ich will hier nicht den 1001ten Vortrag dieser Art halten. Es geht hier nicht um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern um die innere Bestätigung, den Erfolg wieder etwas geschafft zu haben. Es geht um den Erfolg, den eigenen Schweinehund mal wieder überwunden zu haben.
Es geht auch nicht um einfache Erfolgsrezepte, die man irgendwo kaufen kann, Ich will nichts verkaufen, sondern Anregungen geben wie das Leben bunter, schöner, ausgefüllter sein kann.

Wie das Selbstvertrauen zerstört wird

Ich will Ihnen Selbstvertrauen vermitteln. Haben Sie Selbstvertrauen in Ihre eigene Leistungsfähigkeit? Zunächst einmal sagt jeder dazu im Brustton der Überzeugung, ja. Aber wenn man genauer nachfragt, sieht es schon nicht mehr so eindeutig aus. Wenn man fragt, wieso machen sie das nicht selber, wieso trauen sie sich diese Aufgabe nicht zu, bekommt man keine Antwort oder Ausflüchte. In Wirklichkeit ist es das mangelnde Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeiten.
Woher kommt mangelndes Selbstvertrauen. Wir haben nicht gelernt, Aufgaben selbstständig zu lösen. Wir haben unser Wissen pro Unterrichtsstunde Schulbuchseite für Schulbuchseite gelernt. Wir haben nie gelernt, Schulwissen anzuwenden. Haben immer nur bis zur nächsten Prüfung gelernt, um das Gelernte dann möglichst schnell wieder zu vergessen. Im Lebens- und Berufsalltag werden wir dann häufig auch nicht mehr gefordert. Im Beruf haben wir nur einen eng begrenzten Aufgabenbereich. Arbeitgeber hassen es, ihre Mitarbeiter breit gefächert auszubilden. Die könnten dann auf die blöde Idee kommen, mehr Gehalt zu fordern. Um dann zu jammern, es gäbe nicht genug ausgebildete Fachkräfte, ist dann nur folgerichtig. Aber auch in der Freizeit werden wir nicht mehr gefordert. Beim neuen TV-Gerät wird die Bedienungsanleitung gleich mit dem Verpackungsmüll entsorgt. Mal sehen, ob es nicht auch ohne Anleitung geht. Bei Problemen kann man immer noch die Enkelkinder holen. So gehen wir unser Leben lang allen Herausforderungen aus dem Weg. "Wozu brauche ich das? Wofür muss das lernen?", sagen viele.  Wir haben es als Kind nicht gelernt, Herausforderungen zu bewältigen und als Erwachsener auch nicht. Unsere Fähigkeit Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen, schlafen immer mehr ein. Das führt dazu, dass wir als Rentner nicht mehr wissen, wie wir unsere Freizeit sinnvoll ausfüllen können, weil für jede Art von Hobby irgendeine Art von Herausforderung erforderlich ist.

Wieso?

Aber wieso sollten wir diese Herausforderung suchen. Es ist doch viel einfacher, diesen Herausforderungen aus dem Wege zu gehen. Eigentlich spricht nichts dagegen. Unser Leben ist doch dann viel einfacher. Wir brauchen uns nicht anzustrengen.
Wieso ist der Sport ein Allheilmittel. Er vermeidet Übergewicht. Bringt alle Organe in Schwung. Fast allen Zivilisationskrankheiten wird massiv vorgebeugt. Die Lebensfreude spendende Wirkung des Sport ist allseits unumstritten. Nur unseren Grips lassen wir wissentlich verkümmern. Klar, wir bekommen kein Übergewicht, wenn wir unseren Grips nicht anstrengen. Aber es gibt auch beim Hirn deutlich nachweisbare Zusammenhänge zwischen Gehirnjogging und langer geistiger Gesundheit. Es soll hier aber keine Angst verbreitet werden nach der Methode, du musst jetzt aktiv werden, damit deine Gesundheit erhalten bleibt.  Ein Horrorszenarieo ist aber kein gutes Mittel. Es ist aber wichtiger, positive Anreize zu setzen.

Wie das funktioniert.

Die Rendite des Gehirnjoggings ist der Spass am Leben, sind die kleinen Erfolgserlebnisse.Um durch Sport gesund zu bleiben, gibt es  1001 Rezepte. Es beginnt mit diversen Trainingsgeräten. Schweisstreibend und langfristig nutzlos, weil nur sehr wenige es durchhalten, allein mit seinem Gerät zu sein und stumpfsinnig immer die selben Bewegungen auszuführen. Man hat kein richtiges Erfolgs- und Glücksgefühl. Da erscheint es schon erheblich erfolgversprechender, Bewegungsmöglichkeiten des Alltags zu nutzen. Eben die Treppen steigen, statt den Fahrstuhl zu benutzen. Die Fahrradtour, die Wanderung machen Spass, vermittelt innere Ausgeglichenheit und ohne es richtig bewusst zu merken verbessert sich unser allgemeiner Gesundheitszustand deutlich messbar und erheblich.
Genauso, denke ich, sollte man es mit dem Gehirnjogging machen. auch hier gibt der Alltag unendlich viele Gelegenheiten seinen Grips anzustrengen.
  • Schauen Sie "Wer wird Millionär"? Rätseln sie mit! 
  • Haben Sie ein neues unbekanntes Wort gehört? Schauen Sie nach, was es bedeutet. Am Besten sofort.
  • Lesen Sie die Bedienungsanleitungen.
  • Wurde mal wieder ein englisches Wort im TV benutzt. Sofort nachschauen!
  • Recherchieren Sie überhaupt alles, was Ihnen neu und unbekannt ist. 
  • Sie trauen sich nicht, eine berufliche oder private Aufgabe zu lösen. Z.B. in Ihrem Betrieb wird eine neue EDV eingeführt und Sie haben noch nie einen Computer bedient. Zuerst denken Sie: Das schaffe ich nie. Ich gehe besser in Frührente, um mich der Herausforderung zu entziehen.  Das ist keine Lösung. Sagen Sie besser jeden Tag zu sich selbst: Ich schaffe das, ich schaffe das.
Wie schafft man Aufgaben, die man für unlösbar hält. Gehen Sie wie die Kinder oder der moderne Automechaniker an die Aufgabe heran. Betätigen mal alle Knöpfe und Tasten, die es so an einem Computer gibt. Zunächst passiert gar nichts. Der Computer bleibt stumm und tot. Jetzt bloß nicht aufgeben. Irgendwann drücken Sie auf eine Taste mit einem Kreis und einem senkrechten Strich. Ahh, jetzt passiert was. Der Computer brummt und auf dem Bildschirm tut sich was. Er ist wie eine Katze, die zu schnurren anfängt. Wenn wir die Katze streicheln, schnurrt sie länger. Den Computer können wir nicht streicheln, dafür hat er aber statt dessen eine Maus. Der Computer frisst die Maus nicht. Wir tippen die Maus mal vorsichtig an. Sie läuft nicht weg. Stattdessen bewegt sich so ein Pfeil auf dem Bildschirm. Wir fassen uns ein Herz und fassen die Maus mal ganz fest an. Oh, wir können den Pfeil ja überall hin bewegen. Aber sonst tuf sich nichts. Wir werden wagemutiger und tippen mal auf die linke Maustaste. Jetzt geht die Hölle los. Ich habe jetzt bestimmt den Computer vollständig ruiniert. Jetzt kann ich da lesen: Datei, Bearbeiten, Ansicht, Chronik und all so ein Teufelszeug, mit dem ich nichts anfangen kann und in der Mitte steht GOOOGLE. Gockle habe ich doch schon mal gehört. Hat das nicht mit einem Brathähnchen zu tun. Kann auch nicht sein. Nee, alle Leute sprechen von gocklen. Ob die alle an der Bude Brathähnchen essen? Darunter ist so ein Kästchen und ein senkrechter Strich blinkt darin. Jetzt werde ich richtig mutig und tippe mal auf die B-Taste. Da ist ja ein B zu sehen. Klasse. Probieren wir es mal mit einem R. Jetzt steht da BR. Nun gut, gebe ich mal ein A, ein D, ein H, Ä, N, CHEN ein. Jetzt steht da ja BRADHÄNCHEN. So weit so ungut. Es passiert nichts. Probiere ich es mal mit der Hakentaste rechts. Jetzt geht es richtig los. Sind da auf einmal richtig viele Bilder von Brathähnchen. Und dann steht da, ich hätte nach Brathähnchen gesucht, obwohl ich doch Bradhänchen richtig eingegeben hatte. Soll ich es mal mit Broiler probieren? Na egal, auch Computer können sich irren. Irgendwie menschlich. Die sehen ja viel leckerer aus, als von Mama. Da steht ja etwas von einem Rezept für Brathähnchen. Nun weiß ich endlich wie Brathähnchen hergestellt werden. Und ich dachte, die kommen alle aus den Stand mit den Brathähnchen. -- Was schon wieder so spät. Jetzt muss ich mir erst mal einen Broiler holen.
Spass beiseite, Gehirnjogging endet nicht beim arbeiten am Computer, sondern es gibt unendlich viele Gelegenheiten Gehirnjogging zu betreiben.


Was wir davon haben

Erfolg im Beruf sicherlich nur in Ausnahmefällen. Wir werden jetzt auch nicht der Super - Unternehmer, der die Weißheit mit Löffeln gegessen hat. Sondern was wir mit Sicherheit erhalten ist ein gehöriges Maß von Allgemeinbildung. Allgemeinbildung kann man nicht mit dem Zollstock messen oder nachzählen. Aber sie ist da und macht sich bemerkbar. Wir sind jetzt in der Lage, neue Informationen kritisch zu bewerten, können uns bei Diskussionen auf gesichertes Wissen verlassen, sondern haben ein Hintergrundwissen, dass uns alles neue besser einsortieren lässt. Wir sind nun in der Lage vieles, was wir vorher in fremde Hände geben mussten, selber zu lösen.
Der wichtigste Effekt ist, dass das Ganze, ohne das sie das bewusst merken, ihre Grundeinstellungen, ihr Auftreten in der Welt radikal verändert. Sie sind jetzt nicht mehr das graue Mäuschen, sondern eine resolute Person, die weiß, wovon sie spricht.
Und last but not least,, ständiges Lernen macht einfach Spass.